Basierend auf den Ergebnissen der hauseigenen Forschungsprojekte benennt IBM jedes Jahr fünf Technologien, die in fünf Jahren Realität sein sollen. Die erste Prognose stammt aus dem Jahr 2006, die Vorhersagen für 2016 sind in dieser Woche veröffentlich worden.
Zunächst der Rückblick auf die fünf Thesen von 2006, die nur in Teilen Realität geworden sind:
1. Wir haben Zugang zu unseren Gesundheitsdaten, von überall auf der Welt
Die IBM-Entwickler dachten 2006 nicht nur an die elektronische Krankenakte, sondern auch an Echtzeitüberwachung von Herzrhythmus, Blutdruck oder Blutzuckerspiegel. Bei kluger Vernetzung, so die Vorstellung, kann der betreuende Arzt direkt per SMS informiert werden, wenn die Sensoren bei seinem Patienten Anomalien melden.
Tatsächlich haben Ingenieure winzige Elektroniksysteme entwickelt, die sich – flexibel wie die menschliche Haut – als Tattoos aufkleben lassen, Herzströme analysieren und bei Gefahr warnen.
2. Sprachübersetzung in Echtzeit ist Realität
Die Globalisierung führt bis 2011 dazu, dass es Sprachübersetzung in Echtzeit gibt, sagten die IBM-Entwickler 2006. Zwei Anwendungen mit solchen Ansätzen verliessen 2007 die IBM-Forschungslabore. IBM Mastor wurde entwickelt zur Kommunikation zwischen US-Militär und irakischen Streitkräften und Bürgern. Ausserdem übersetzt das Programm vom Englischen in das moderne Arabische und Mandarin oder von diesen Sprachen zurück ins Englische.
Für das geschriebene Wort gibt es diverse Anwendungen, wie Google Translate oder die Apps Word Lens und Worlddictionary. Die Herausforderung bei solchen Anwendungen besteht vor allem in dem semantischen Verständnis, das die Software benötigt, da der Satzbau in vielen Sprachen nicht das gleiche Muster hat.
3. Internet in der dritten Dimension
Inspiriert vom Spiel Second Life, hatten die IBM-Entwickler 2006 die Vision, dass sich das Internet bis heute zu einer 3D-Welt entwickeln würde. Darin sollten nicht mehr einzelne Welten existieren, sondern eine einzige vollkommen vernetzte.
Kinder sollten so etwa durch virtuelle Regenwälder oder das antike Rom laufen können, was eine neue Form interaktiver Bildung ermöglichen würde. Erwachsene müssten nicht mehr in das Auto steigen, sondern könnten virtuell durch ihr Lieblingsmöbelhaus laufen und Ausstellungsstücke begutachten.
Vernetzter sind wir in sozialen Netzwerken heute tatsächlich, jedoch hat sich das Internet nicht in eine einzige 3D-Welt verwandelt. Einzelne virtuelle 3D-Welten gibt es nach wie vor und Experten von Intel prognostizieren das 3D-Internet für 2015.
4. Technologien im Nanomassstab verbessern die Umwelt
Zur Wasserreinigung und für effizientere Solarenergiesysteme sollen 2011 Nanostrukturen eingesetzt werden, sagten die IBM-Forscher 2006 voraus. Kohlenstoff-Nanoröhrchen werden heute tatsächlich als vielversprechende Kandidaten für effizientere Stromleiter gesehen, auch als Energiequelle sind sie im Gespräch oder als künstliche Muskeln. Ebenfalls auf molekularem Niveau entwickelten Nanoforscher das kleinste Auto mit Vierrad-Antrieb. In ferner Zukunft könnten sie etwa Medikamente zielgerichtet transportieren.
5. Unsere Mobiltelefone können unsere Gedanken lesen
Indem unser Telefon immer weiss, wo wir sind, erahnt es, was wir wollen – und kümmert sich sofort darum. Wenn wir einen Besprechungsraum betreten, schaltet sich automatisch die Mailbox ein. Gehen wir nach Feierabend auf dem Weg nach Hause an unserer Lieblingspizzeria vorbei, zeigt unser Telefon die aktuellen Angebote – dachten sich die IBM-Entwickler 2006.
Dank GPS und WLAN-Hotspots weiss unser Telefon heute tatsächlich fast auf den Meter genau, wo wir uns befinden. Und es gibt Apps, die uns daran erinnern, was wir noch erledigen wollten, wenn wir an einem bestimmten Geschäft vorbeikommen. Dass diese Vision auch in den aktuellen Vorhersagen für 2016 auftaucht, zeigt aber, dass auch die IBM-Entwickler noch nicht so weit sind, wie sie sein wollten.
In diesem Jahr haben die IBM-Forscher fünf Thesen aufgestellt, wie unser Leben im Jahr 2016 aussehen wird.
1. Menschen sorgen selbst für ihre Energie
Spazierengehen, Joggen, Radfahren – bei jeder Bewegung erzeugen wir Energie. Aber auch die Wärme, die ein arbeitender Computer abgibt, oder der Strömungsfluss durch Wasserrohre stellen bislang ungenutzte Energiequellen dar. Die Vision der IBM-Forscher ist, dass wir diese Energie in fünf Jahren nutzen können, um unser Eigenheim zu beleuchten.
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2. Biometrische Daten ersetzen Passwörter
E-Mail, soziale Netzwerke, Foren, Cloud-Dienste, Versandhandel, Online-Banking – die Liste an Angeboten, für die man ein Passwort benötigt, ist lang. Sich alle zu merken, ist nicht leicht, immer dasselbe zu nehmen, birgt ein erhöhtes Risiko, dass es geknackt wird. Anwendungen für Smartphones ermöglichen bereits jetzt, Passwörter zu verwalten. Die IBM-Forscher haben für 2016 eine ganz andere Vision: Dann soll es keine Passwörter mehr geben, stattdessen ersetzen biometrische Daten Kosenamen und Zahlenkombinationen. Dabei soll nicht eine biometrische Information allein, sondern eine Kombination verschiedener Merkmale, wie Iris- und Stimmmuster, für mehr Sicherheit sorgen.
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3. Gedankenlesen ist keine Fiktion mehr, sondern Realität
Bereits jetzt sollten unsere Mobiltelefone unsere Gedanken "lesen" können, so die Vorhersage von 2006. Sie sollten aktiv werden, ohne dass wir sie in diesem Moment betätigen. Für 2016 spinnen die Entwickler ihre Idee weiter: Software soll erkennen, was wir denken. Dann reicht allein der Gedanke daran, den Liebsten anrufen zu wollen – und schon wählt das Telefon seine Nummer.
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4. Der digitale Graben existiert nicht mehr
Der Zugang zu Information ist essenziell für Wachstum und Wohlstand in unserer Welt. Obwohl dieser Zugang so wichtig ist, hat ihn längst nicht jeder. Bis 2016, glauben die IBM-Entwickler, hat sich das mithilfe mobiler Endgeräte grösstenteils geändert. Dann sollen weltweit 5,6 Milliarden solcher Geräte im Einsatz sein, vor allem in den heute noch unterentwickelten Weltregionen. Nicht schreiben oder lesen zu können, soll dabei keine Barriere sein: Sprachein- und ausgabesysteme sollen selbstverständlich sein.
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5. Spam ist nicht länger lästig, sondern wichtig – weil es enorm personalisiert ist
Während Spam-Mails heute zum Teil meist automatisiert in den Papierkorb verfrachtet werden, messen die IBM-Entwickler dieser Werbesparte grosses Zukunftspotenzial bei. In ihrer Vision für 2016 existiert Spam in einer stark personalisierten Form, abgeglichen an unseren Vorlieben, sodass wir Werbemails tatsächlich haben wollen. Sie erreichen uns aber nur noch, wenn sie zu unseren Vorlieben und Interessen sowie zur aktuellen Situation passen.
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